Die 5 Stufen der Video-Integration in Unternehmen

Viele Unternehmen haben längst verstanden, dass Video ein wertvolles Business Asset und entsprechend wichtig ist. Doch zwischen dieser Einsicht und optimaler Wirkung für Marke und Unternehmen liegt oft ein langer Weg.

von Jürg Steudler

In der Pra­xis sehe ich immer wie­der, dass Betrie­be zwar in Video inves­tie­ren, aber nicht wir­kungs­voll ska­lie­ren. Sie pro­du­zie­ren zwar viel mehr, aber nicht sys­te­ma­tisch und häu­fig mit beschei­de­nem Erfolg. Aus mei­ner Arbeit mit Kommuni­kations­abtei­lun­gen kann ich dabei ein kla­res Mus­ter erken­nen: Unter­neh­men durch­lau­fen fünf typi­sche Ent­wick­lungs­stu­fen, wenn sie sich dar­an machen, pro­fes­sio­nell auf Video Con­tent zu setzen.

Die Vor­stu­fe: Kein oder kaum Video Content

In die­ser Pha­se spielt Video kaum eine Rol­le. Kom­mu­ni­ka­ti­on ist stark text- und bild­ge­trie­ben. Video wird als auf­wän­dig, teu­er oder schwer steu­er­bar wahr­ge­nom­men. Oft fehlt Know-how, Bud­get oder ein kla­res Ver­ständ­nis für den Nut­zen. Häu­fig gibt es auch kei­nen Druck, sich mit Video aus­ein­an­der zu set­zen – sei’s weil das Geschäft sowie­so läuft oder, weil die Füh­rungs­rie­ge nichts damit anfan­gen kann.

Stu­fe 1: Video Con­tent wie in den 2010er-Jahren

Hier wird Video zwar in regel­mäs­si­gen Abstän­den, aber noch sehr punk­tu­ell ein­ge­setzt – meist für Kam­pa­gnen, Image­fil­me oder grös­se­re Pro­jek­te. Der Fokus liegt auf ein­zel­nen Leucht­turm-Pro­duk­tio­nen. Wir­kung ent­steht kurz­fris­tig, aber nicht nach­hal­tig. Zwi­schen den Kam­pa­gnen herrscht Funkstille.

Stu­fe 2: Ers­te stra­te­gi­sche Einsicht

Unter­neh­men erken­nen die Bedeu­tung von Video. In Teil­be­rei­chen, wie zum Bei­spiel der inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on oder Social Media, ent­ste­hen ers­te For­ma­te. «Always-on» wird dis­ku­tiert. Es gibt Pilot­pro­jek­te, inter­ne Initia­ti­ven und ers­te Seri­en. Doch: Die­se Akti­vi­tä­ten blei­ben iso­liert. Es fehlt eine über­grei­fen­de Sys­te­ma­tik, kla­re Gover­nan­ce und ein ska­lier­ba­res Set­up. Mar­ke­ting Com­mu­ni­ca­ti­on und Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­on blei­ben oft reak­tiv von Ereig­nis­sen oder inter­nen Kun­den getrie­ben, statt pro-aktiv und pro­gram­ma­tisch. Video wird zwar in allen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dis­zi­pli­nen häu­fi­ger pro­du­ziert, aber bleibt noch ohne über­ge­ord­ne­tes Steue­rungs­mo­dell. Typisch für die­se Pha­se ist auch, dass Orga­ni­sa­tio­nen über ein eige­nes Stu­dio oder inter­nes Krea­tiv­per­so­nal nach­den­ken – häu­fig bevor eine umfas­sen­de Stra­te­gie, kla­re Gover­nan­ce und Pro­du­cing-Kom­pe­tenz auf­ge­baut wur­den. Das führt zu stei­gen­den Fix­kos­ten, aber nicht auto­ma­tisch zu mehr Wirkung.

Stu­fe 3: Vom reak­ti­ven zum pro-akti­ven Modell

Hier beginnt der eigent­li­che Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess. In einer zen­tra­len Dis­zi­plin – meist Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­ons – wird eine kla­re Bewegt­bild-Stra­te­gie ent­wi­ckelt und umge­setzt. Es entstehen:

  • defi­nier­te Formate
  • kla­re Ziel­bil­der und Szenarien
  • wie­der­hol­ba­re Prozesse
  • Rol­len und Verantwortlichkeiten
  • ers­te Steue­rungs- und Messlogiken

Auf die­ser Stu­fe funk­tio­niert Video nicht mehr pro­jekt­ba­siert, son­dern sys­te­ma­tisch. Viel­fach geht dies ein­her mit der Ein­füh­rung einer News­room-Logik (The­men- statt Kanal­den­ken) und der Beschäf­ti­gung von TV-Jour­na­lis­ten und ‑Pro­du­cern, die sich eine pro­gramm-ori­en­tier­te Arbeits­wei­se gewohnt sind.

Stu­fe 4: «Video-first» als Unternehmensprinzip

Sobald die Sys­te­ma­tik auf Stu­fe 3 ein­ge­spielt und opti­miert wur­de, kann sich in kur­zer Zeit viel insti­tu­tio­nel­les Know-how ansam­meln – die Vor­aus­set­zung für Stu­fe 4. Das Unter­neh­men stellt nun sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on grund­sätz­lich auf «Video-first» um. Alle Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dis­zi­pli­nen, Abtei­lun­gen und Toch­ter­ge­sell­schaf­ten arbei­ten ent­lang eines gemein­sa­men Leit­me­di­ums, idea­ler­wei­se ange­trie­ben durch ein inter­nes Kom­pe­tenz- oder Pro­duk­ti­ons­zen­trum. Alle Inhal­te wer­den The­men- und Dis­zi­pli­nen-über­grei­fend zen­tral geplant (bspw. News­room), pro­du­ziert (Pro­duk­ti­ons­zen­trum) und über Dis­zi­pli­nen, Märk­te, Platt­for­men und Kanä­le hin­weg dis­tri­bu­iert (Chan­nel Manage­ment). Video wird zum haupt­säch­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment. Alle ande­ren Medi­en­gat­tun­gen fol­gen die­ser Logik und wer­den dar­aus abge­lei­tet. Kon­sis­tenz, Geschwin­dig­keit und Publi­ka­ti­ons­ka­denz stei­gen deut­lich. Ska­len­ef­fek­te zei­gen posi­ti­ve Wirkung.

Stu­fe 5: Video als eigen­stän­di­ger Business-Zweig

Die höchs­te Stu­fe ist erreicht, wenn Video nicht mehr nur die Kom­mu­ni­ka­ti­on trägt, son­dern selbst zum Geschäfts­mo­dell wird. Unter­neh­men ent­wi­ckeln Medien‑, Enter­tain­ment- oder Con­tent-Platt­for­men, erschlies­sen neue Ein­nah­me­quel­len und bau­en eige­ne Öko­sys­te­me auf. Kom­mu­ni­ka­ti­on wird zum Pro­dukt, Auf­merk­sam­keit zur stra­te­gischen Res­sour­ce. Die­se Stu­fe errei­chen nur ganz weni­ge Unter­neh­men. Das wohl pro­mi­nen­tes­te Bei­spiel ist Red Bull.

Das zen­tra­le Pro­blem heute

Die meis­ten Orga­ni­sa­tio­nen ste­cken auf Stu­fe 2 oder 3 fest. Sie expe­ri­men­tie­ren, inves­tie­ren und pro­du­zie­ren – aber sie errei­chen kei­ne ech­te Ska­lie­rung. War­um? Meist, weil es ihnen nicht gelingt die Brü­cke zu schla­gen, zwi­schen ein­zel­nen Pro­jek­ten und einem ech­ten Sys­tem. Oder auch, weil der Sprung auf Stu­fe 4 nur gelingt, wenn alle Abtei­lun­gen und ins­be­son­de­re die Geschäfts­lei­tung am glei­chen Strick zie­hen, wenn Mög­lich­kei­ten pro-aktiv ergrif­fen wer­den und wenn eine offe­ne Pro­bier- und Ver­bes­se­rungs­kul­tur Fuss fas­sen kann.

Der Schlüs­sel zum Erfolg mit Video liegt heu­te nicht mehr in der Pro­duk­ti­on ein­zel­ner Vide­os, son­dern in der Koope­ra­ti­on, der Krea­ti­vi­tät und in der Systematik.

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist nicht: Wie kön­nen wir mehr Video realisieren?

Son­dern: Wie bau­en wir ein steu­er- und ska­lier­ba­res Video-Con­tent-Sys­tem auf – und wie ent­wi­ckeln wir dar­aus lang­fris­tig einen stra­te­gischen Wachstumstreiber?

Wei­te­re inter­es­san­te Ein­sich­ten dazu in mei­nem Buch «Das Video-Con­tent-Play­book» (Link unten)

Link zu mei­ner Porträt-Seite

Link zu unse­rem Buch «Das Video-Content-Playbook»