Alle wünschen sich «mehr Kreativität» in der Unternehmenskommunikation. Aber selten ist klar definiert, wofür Kreativität konkret da ist, welches Level in welcher Situation sinnvoll ist und wie man sie so organisiert, damit sie skalierbar Wirkung erzeugt.
«Das Video-Content-Playbook» | Die Blog-Artikel-Serie zum Buch 4/6
von Jürg Steudler
Im Video-Content-Playbook wird Kreativität nicht romantisiert, sondern als Instrument zum integralen Bestandteil eines Systems.
Folgende vier Take-Aways aus meinem Buch (Das Video-Content-Playbook) sind dabei besonders relevant:
1. Was Kreativität im Video Content wirklich leistet
Kreativität ist kein Deko-Element, sondern ein Wirkungstreiber. Sie kann Funktionen übernehmen:
- Emotionale Wirkung: Ohne kreative Idee kaum emotionale Bindung, ohne Emotion keine Verankerung der Botschaft.
- Relevanz & Mehrwert: Gute kreative Umsetzungen machen Informationen verständlich, nützlich oder unterhaltsam – idealerweise alles zugleich.
- Differenzierung: Kreative Ideen sorgen für Wiedererkennung und Differenzierung von der Konkurrenz – durch Tonalität, Stil, Bildsprache oder ungewöhnliche Perspektiven.
- Verlängerte Aufmerksamkeit: Hook, Dramaturgie, Rhythmus und Produktionsqualität halten Zuschauende länger im Video.
- Komplexität erklären: Kreative Umsetzungen übersetzen komplizierte Sachverhalte in verständliche Bilder, Metaphern und Geschichten.
- Markenidentität stärken: Ein konsistenter Stil in Bild, Ton, Inszenierung und Story sorgt dafür, dass Inhalte als «typisch Marke X» erkennbar sind.
Dass sich Investitionen in gute kreative Qualität lohnen, ist empirisch gut belegt: Zahlreiche Analysen zeigen, dass kreative Kampagnen deutlich effizienter sind als durchschnittliche Umsetzungen.
Kreativität wird zum Business Asset: Sie steigert die Effizienz von Media-Investitionen, stärkt Markenwerte und verbessert langfristig die ökonomische Wirkung.
2. Levels der Kreativität: Nicht jeder Clip braucht die ultimative «Big Idea»
Im Buch arbeiten wir mit dem 4C-Modell von Kaufman & Beghetto: Mini‑c, Little‑c, Pro‑c, Big‑C. Es hilft, den Anspruch an Kreativität richtig zu kalibrieren.
Übertragen auf Video Content:
- Mini‑c & Little‑c – Ideale Zone für schnelle Social-Formate: Selfie-Videos, Behind-the-Scenes, kurze Tipps, Reels, Stories.
- Pro‑c – Bereich der professionellen Kreativität: Imagefilme, TV- und Online-Spots, hochwertige Erklärfilme, Brand-Content-Serien.
- Big‑C – Die legendären Kampagnen und Claims, die Kulturgeschichte schreiben. Anspruchsvoll, selten, nicht planbar – und im Alltag der Unternehmenskommunikation meist kein sinnvolles Ziel.
Für die Praxis heisst das: Nicht jedes Video braucht ein «Big‑C»-Niveau. Viel wichtiger ist, das richtige Kreativitätslevel mit einem passenden Production Value Level zu kombinieren:
- LoFi: Schnelle, authentische Clips (Mini-/Little‑c)
- MidFi: Sauber produzierte Standard-Formate, z. B. Erklärvideos, Produktdemos
- HiFi: Hochwertige Marken- oder Kampagnenfilme (Pro‑c)
Wer diese Ebenen bewusst zuordnet, vermeidet den Dauerstress «alles muss genial sein» – und trifft deutlich bessere Budgetentscheidungen.
3. Was bedeutet «systematische Kreativität»?
Systematische Kreativität heisst: Ideen sind nicht Zufall, sondern eingebettet in wiederholbare Strukturen.
Vier Elemente sind zentral:
- Kreative Konsistenz: Immer wieder neue Ideen, aber klare, wiedererkennbare Markenbasis: Themenfelder, Tonalität, Bildsprache, Story-Muster.
- Effiziente Ressourcennutzung: Mit Toolboxen, Templates, wiederverwendbaren Animationen, Setups und Content-Stacking lohnt sich Kreativität mehrfach. Kreative Energie fließt in neue Einfälle, nicht in ständig neue Grundlayouts.
- Messbarkeit & Lernschleifen: Performance-Daten, Reviews und Peer-Feedback zeigen, welche kreativen Ansätze funktionieren. Kreativität wird dadurch schärfer, nicht eingeengt.
- Planung & Formate: Redaktionspläne, Formate und Serien geben Themen und Frequenz vor. Kreativität konzentriert sich auf Ausgestaltung, Hooks, Dramaturgie.
So wird Kreativität vom sporadischen Projektfaktor zum festen Bestandteil eines skalierbaren Systems.
4. Warum Kreativität Leitplanken braucht
«Keine Regeln, maximale Freiheit» klingt attraktiv, funktioniert aber selten. Leitplanken sind kein Feind der Kreativität, sondern ihre Reibungsfläche:
- Sie fokussieren: Ein klares Ziel, ein enges Zeitfenster, ein definierter Use Case.
- Sie inspirieren: Beschränkungen zwingen zu originellen Lösungen.
- Sie verhindern Entscheidungsparalyse: Nicht jede Option ist möglich – das erleichtert den Start.
- Sie sparen Zeit: Wenn Branding, Längen, Formate und No-Gos klar sind, kann das Team sofort kreativ arbeiten.
Sinnvolle Leitplanken in der Video-Content-Praxis sind zum Beispiel:
- Ein fokussiertes, schriftliches Briefing
- Markenguidelines für Bild, Sprache, Ton und Motion
- Klare «Must-haves» (Logo, CTA, Kernbotschaft) und «No-Gos»
- Vordefinierte Format-Typen (Serie, Tutorial, Testimonial, Case, Trailer etc.)
Innerhalb dieses Rahmens gilt dann: Freedom-in-a-frame. Genau dort entsteht die Art von Kreativität, die nicht nur gefällt, sondern das Geschäft voranbringt.
➜ Dieser Artikel ist Teil der Serie zu meinem Buch «Das Video-Content-Playbook»
Das Video-Content-Playbook zeigt, wie Unternehmen Video strategisch, systematisch und skalierbar einsetzen können. Es schließt die Lücke zwischen Kommunikationsstrategie und operativer Umsetzung und verbindet Markenführung, Corporate Design, Motion Branding, Content-Systematik zu einem ganzheitlichen Ansatz. Das Buch richtet sich an Kommunikationsprofis, die Video nicht als Einzelmaßnahme, sondern als integralen Bestandteil der Unternehmenskommunikation verstehen und effizient auf eine Mehrwert-zentrierte Content-Landschaft übertragen wollen.
Basierend auf 30 Jahren Erfahrung in Kreation, Motion Design, Filmproduktion und strategischer Beratung liefert das Playbook praxisnahe Frameworks, Best Practices und konkrete Tools für die Skalierung von Video Content.
