Auch Performance Marketing lebt von der Kreativität

Performance Marketing wird oft als reine Media-Disziplin verstanden. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass «das Creative» (Performance-Marketing-Speech für «den Werbefilm») Aufmerksamkeit weckt und dass seine Botschaft Wirkung zeigt.

Gute Performance Creatives dürfen deshalb nicht weniger sorgfältig entwickelt werden als teure Werbespots – auch wenn sie nicht nach Werbung, sondern nach Social Content aussehen sollen. Der Kreativprozess ist der Gleiche, nur dass hier auf einen authentischen Look, modulare Creatives und auf eine während der ganzen Dauer der Kampagne laufende Optimierung gesetzt werden sollte.

von Jürg Steudler

War­um ist das wichtig?

Tar­ge­ting, Bud­get, Pla­ce­ment und Algo­rith­men sind zwar die Schlüs­sel­aspek­te im Per­for­mance Mar­ke­ting. Aber ohne wir­kungs­vol­le Crea­ti­ves ver­pufft die Hebel­wir­kung der ite­ra­ti­ven Opti­mie­rung. Ein nach­hal­ti­ger Impact kann nur ent­ste­hen, wenn die Kam­pa­gne auf die Ziel­grup­pe UND den Algo­rit­mus wirkt. In der Rea­li­tät zeigt sich erst nach der Aus­spie­lung, wel­che Anspra­che, wel­cher Hook, wel­ches Argu­ment oder wel­che Gestal­tung tat­säch­lich für wel­che Teil­ziel­grup­pe funk­tio­niert. Modu­la­re Crea­ti­ves bie­ten die Bau­stei­ne, die es braucht und jene Crea­ti­ve Diver­si­ty, die nötig ist, um eine Kam­pa­gne zum Erfolg zu machen.

Aber tau­chen wir etwas tie­fer ein:

1. Das per­fek­te Crea­ti­ve ent­steht nicht (nur) am Reissbrett

Auch im Per­for­mance Mar­ke­ting beginnt alles mit einer guten Idee und der sorg­fäl­ti­gen Kon­zep­ti­on. Der Unter­schied: Mit der Ver­öf­fent­li­chung ist die krea­ti­ve Arbeit nicht abge­schlos­sen. Wäh­rend der Kon­zep­ti­on kön­nen wir fun­dier­te Hypo­the­sen ent­wi­ckeln. Wir kön­nen star­ke Hooks ent­wi­ckeln, relevante Bot­schaf­ten for­mu­lie­ren und ent­schei­den, wel­che Sto­ry und Gestal­tung zur Ziel­grup­pe pas­sen. Was wir nicht zuver­läs­sig vor­her­sa­gen kön­nen ist, wel­che Vari­an­te im rea­len Umfeld tat­säch­lich die bes­ten Resul­ta­te liefert.

Funk­tio­niert die direk­te Anspra­che bes­ser als der über­ra­schen­de Ein­stieg? Über­zeugt der kon­kre­te Bene­fit, eine emo­tio­na­le Dra­ma­ti­sie­rung oder eher das Pro­blem, das wir lösen? Reagiert eine Teil­ziel­grup­pe stär­ker auf Social Pro­of als eine andere?

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet des­halb: Wie ent­wi­ckeln wir star­ke, modu­la­re Crea­ti­ves, die wir sys­te­ma­tisch über­prü­fen und wei­ter­ent­wi­ckeln können?

2. Modu­lar kon­zi­pieren heisst nicht ein­fach mehr Vari­an­ten produzieren

Ein Per­for­mance Video wird nicht nur als geschlos­se­ner Film kon­zi­piert, son­dern gleich­zei­tig als Sys­tem aus kom­bi­nier­ba­ren Bausteinen:

Hook → Problem/Pain/Gain → Bene­fit → Pro­duct Demo/Erklärung → Social Pro­of → Ange­bot & CTA

Für gewis­se Ele­men­te soll­ten bei der Kon­zep­ti­on vie­le unter­schied­li­che Vari­an­ten ange­dacht wer­den: meh­re­re Hooks, unter­schied­li­che Her­aus­for­de­run­gen und Bene­fits, ver­schie­de­ne Ange­bo­te und CTAs.

Dadurch ent­steht aus einem Shoo­ting nicht ein­fach eine Hand­voll fer­ti­ger Fil­me, son­dern eine Biblio­thek von Krea­tiv­bau­stei­nen, aus der unter­schied­li­che Kom­bi­na­tio­nen gebaut und getes­tet wer­den können.

Die Fil­me wir­ken damit eher wie TV-Trai­ler als wie klas­si­sche Wer­be­spots. Das macht die Pro­duk­ti­on nicht nur fle­xi­bler, son­dern auch effi­zi­en­ter. Erfolg­rei­che Ele­men­te las­sen sich wei­ter­ver­wen­den, schwä­che­re gezielt erset­zen und neue Vari­an­ten hin­zu­pro­du­zie­ren, wo tat­säch­lich neu­er Bedarf ent­steht. Oder wo eine neue Erkennt­nis zu neu­en Hypo­the­sen führt.

Ska­lie­rung bedeu­tet also nicht, mög­lichst vie­le Vide­os zu dre­hen. Son­dern mög­lichst cle­ver zu produzieren.

3. Der Hook ent­schei­det über Auf­merk­sam­keit, die Sto­ry über Wirkung

Im Feed hat jedes Video zunächst eine sehr ein­fa­che Auf­ga­be: den Scroll zu unter­bre­chen. Des­halb sind die ers­ten Sekun­den ent­schei­dend. Ein Hook kann über ein star­kes Bild, eine über­ra­schen­de Aus­sa­ge, ein rele­van­tes Pro­blem, Neu­gier, Glaub­wür­dig­keit oder einen unmit­tel­ba­ren Nut­zen funktionieren.

Aber auch ein guter Hook ist ledig­lich die Ein­tritts­kar­te. Danach muss das Crea­ti­ve sei­ne Bot­schaft ein­lö­sen: ein Pro­blem ver­ständ­lich machen, einen Bene­fit ver­mit­teln, Ver­trau­en auf­bau­en oder zu einer Hand­lung füh­ren. Und nicht jede Per­son inter­es­siert sich dabei für die­sel­be Sto­ry. Eine Ziel­grup­pe, die ein Pro­dukt noch nie gese­hen hat, muss anders ange­spro­chen wer­den als jemand, der bereits meh­re­re Berüh­rungs­punk­te mit der Mar­ke hatte.

Gute Per­for­mance-Kon­zep­ti­on ver­bin­det des­halb Hook, Sto­ry, Bot­schaft, Ziel­grup­pe und deren aktu­el­le Awa­re­ness-Stu­fe. Und sie tut das so, dass unter­schied­li­che Ansät­ze getes­tet wer­den können.

4. Crea­ti­ve Diver­si­ty ist kein Selbstzweck

Per­for­mance Mar­ke­ting braucht Viel­falt. Aber damit ist nicht gemeint, zwan­zig mehr oder weni­ger zufäl­li­ge Ver­sio­nen des­sel­ben Vide­os zu pro­du­zie­ren. Crea­ti­ve Diver­si­ty bedeu­tet, bewusst unter­schied­li­che Hypo­the­sen gegen­ein­an­der antre­ten zu las­sen. Meist unter­schied­li­che Hooks, unter­schied­li­che Pain Points, unter­schied­li­che Ange­bo­te und CTAs. So kann eine Kam­pa­gne ver­schie­de­ne Teil­ziel­grup­pen und Awa­re­ness-Stu­fen anspre­chen – und gleich­zei­tig ler­nen, wel­che Mecha­ni­ken unter wel­chen Bedin­gun­gen funktionieren.

Das ist der Unter­schied zwi­schen einer rei­nen Vari­an­ten­pro­duk­ti­on und einer sys­te­ma­ti­schen Creative-Optimierung.

5. Nach der Aus­spie­lung beginnt die nächs­te Kreationsrunde

Hier liegt einer der gröss­ten Unter­schie­de zur klas­si­schen Kam­pa­gnen­lo­gik: Per­for­mance Crea­ti­ves lie­fern sofort Daten. Wel­che Hooks hal­ten die Auf­merk­sam­keit? Wel­che Bot­schaf­ten erzeu­gen Reak­tio­nen? Wel­che Vari­an­ten kon­ver­tie­ren? Wel­che ver­lie­ren mit der Zeit an Wir­kung? Und wel­che Kom­bi­na­tio­nen funk­tio­nie­ren bei bestimm­ten Teil­ziel­grup­pen beson­ders gut? Die­ses Report­ing ist zugleich das Brie­fing für die nächs­te Kreationsrunde.

Der Pro­zess lau­tet deshalb:

Kon­zi­pieren → Pro­du­zie­ren → Aus­spie­len → Tes­ten → Ler­nen → Opti­mie­ren → neu konzipieren

So ent­steht nach und nach ein immer bes­se­res Ver­ständ­nis dafür, was die Ziel­grup­pe tat­säch­lich bewegt.

6. Krea­ti­on und Media MÜS­SEN eng zusammenarbeiten

Genau hier liegt für uns der ent­schei­den­de Punkt. Per­for­mance Crea­ti­ves kön­nen nicht sinn­voll in einer Krea­tiv-Bubble ent­wi­ckelt wer­den. Und Media kann nicht dau­er­haft opti­mie­ren, wenn kei­ne neu­en krea­ti­ven Hypo­the­sen nach­kom­men. Das Crea­ti­ve-Team braucht von den Media-Spe­zia­lis­ten Ant­wor­ten: Wel­che Vari­an­ten funk­tio­nie­ren? Bei wem? Wo bre­chen sie ein? Wel­che Hooks per­for­men? Wann tritt Crea­ti­ve Fati­gue auf? Wel­che Bot­schaf­ten oder Ange­bo­te zei­gen Potenzial?

Umge­kehrt braucht Media von der Krea­ti­on nicht ein­fach regel­mäs­sig «noch fünf neue Vide­os», son­dern gezielt ent­wi­ckel­te Vari­an­ten, mit denen sich relevante Fra­gen beant­wor­ten las­sen. So ent­steht ein Kreislauf:

Crea­ti­ve → Media → Daten → Insights → neue Hypo­the­se → neu­es Creative

Je enger die­ser Aus­tausch funk­tio­niert, des­to weni­ger basiert die Wei­ter­ent­wick­lung auf Geschmack und Bauch­ge­fühl und des­to stär­ker auf krea­ti­ven Ideen plus tat­säch­li­chem Ver­hal­ten der Zielgruppe.

Hier kommt mein Ansatz ins Spiel

Ich beschäf­ti­ge mich seit Jah­ren mit der Fra­ge, wie sich Video Con­tent sys­te­ma­tisch, effi­zi­ent und ska­lier­bar ent­wi­ckeln und pro­du­zie­ren lässt.

Für mich bedeu­tet Video Con­tent @ Sca­le dabei nicht, ein­fach mög­lichst viel Con­tent raus­zu­hau­en. Es bedeu­tet, so zu kon­zi­pieren und zu pro­du­zie­ren, dass mög­lichst wenig ver­lo­ren geht und mög­lichst viel wei­ter­ver­wen­det wer­den kann.

Also zum Beispiel:

  • Dreh­ta­ge so pla­nen, dass dar­aus mehr als nur ein ein­zel­ner Film entsteht
  • Sze­nen, Aus­sa­gen und Visu­als modu­lar produzieren
  • Vari­an­ten bereits in der Kon­zep­ti­on mit­den­ken und kei­ne Dreh­zeit verschenken
  • Mate­ri­al so auf­bau­en, dass es spä­ter neu kom­bi­niert und adap­tiert wer­den kann
  • erfolg­rei­che Ele­men­te weiterverwenden
  • neue Crea­ti­ves gezielt dort pro­du­zie­ren, wo Crea­ti­ve Fati­gue oder neue Erkennt­nis­se es nötig machen

Genau des­halb passt die oben auf­ge­zeig­te Crea­ti­ve Diver­si­ty Logik per­fekt zu dem, was ich seit Jah­ren unter Video Con­tent @ Sca­le ver­ste­he. Aber wäh­rend in der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on oft Bedürf­nis und Bud­get für eine fort­lau­fen­de Opti­mie­rung feh­len, ist die­se im Per­for­mance Mar­ke­ting ganz ent­schei­dend: Eine Pro­duk­ti­on ist nie abge­schlos­sen, wenn das ers­te Crea­ti­ve aus­ge­spielt wird.

Denn dann beginnt erst die «Magie» des Per­for­mance Marketings:

Die Opti­mie­rung von Media und Creative.

Ich selbst mache kein Media Buying.

Mei­ne Stär­ke liegt in der Krea­ti­on und der Sys­te­ma­tik: Ich unter­stüt­ze Marketing‑, Con­tent- und Krea­tiv­teams dabei, Per­for­mance Crea­ti­ves so zu kon­zi­pieren, zu gestal­ten und zu pro­du­zie­ren, dass sie sich tes­ten, kom­bi­nie­ren, wei­ter­ent­wi­ckeln und effi­zi­ent ska­lie­ren lassen.

Mei­ne Mis­si­on ist es, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­spe­zia­lis­ten auf­zu­zei­gen, wie Unter­neh­men mit Video Con­tent @ Sca­le eine erfolg­rei­che und zeit­ge­mäs­se Kom­mu­ni­ka­ti­on auf­bau­en können.

Link zu mei­ner Porträt-Seite

Link zu unse­rem Buch «Das Video-Content-Playbook»