Think global – act local
Wer informativ, faktisch und mit fiktionalen Geschichten kommuniziert, kann seinen Video Content noch immer mit Untertiteln oder Synchronisation in beliebig viele Sprachen übersetzen. – Wer jedoch vermehrt auf emotionale Geschichten, Nähe und kulturelle Codierung setzt, muss seine Herangehensweise anpassen.
von Jürg Steudler
Unternehmen produzieren heute mehr Video Content denn je – gleichzeitig wird die kommunikative Ansprache emotionaler, anschaulicher und menschlicher. Das ist gewiss eine positive Entwicklung, weil damit die Frequenz und die Wirkung der Kommunikation steigt.
Aber damit erhöhen sich auch die Herausforderungen, wenn mit mehreren Sprachgruppen kommuniziert werden soll.
Zwei Beispiele:
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Die meisten Video Posts leben von Sympathie, Humor, Spontanität und Unmittelbarkeit. Dies nachträglich in eine Fremdsprache zu transportieren? – Ohne Wirkungsverlust, nahezu unmöglich.
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Authentische Porträts von Menschen realisieren, welche später synchronisiert werden (egal ob per Lip-synch oder Overdubbing)? Solche Geschichten erreichen niemals den gleichen Impact wie die Originalversion.
Schweizer Unternehmen kennen das Problem nur allzu gut. Die dreisprachige Kommunikation in Deutsch, Französisch und Italienisch ist Standard. Für den internationalen Markt kommt dann noch Englisch hinzu. Was tun?
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Konsequent Videos nur noch in einer einzigen Sprache realisieren?
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Oder Videos in einer Sprache realisieren und weitere Sprachversionen dann synchronisieren oder mit Untertiteln ausstatten?
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Oder für jede Sprache ein eigenes Video realisieren?
Keine der drei Optionen ist ideal.
Mit Option 1 läuft man Gefahr Teile des Zielpublikums nicht zu erreichen und zudem gegen die sich oft selbst auferlegte Gleichbehandlung aller Sprachgruppen zu verstossen. Oft ist darum Option 2 die Kompromisslösung, wenn nicht für jede Sprache ein separates Video (Option 3) realisiert werden kann.
So muss – um Ressourcen zu sparen – auf Wirkung verzichtet werden.
Vorschlag für eine etwas differenziertere, modularere Herangehensweise
Nicht jeder Markt/jede Sprachregion braucht immer eine komplett neuen Filmvariante. Aber trotzdem sollte ein Film a) je wichtiger die Botschaft/Kampagne und b) je emotionaler und authentischer die Story, stärker angepasst werden als bloss mit einer Synchronisation oder gar nur mit Untertiteln.
Mit welchen «Zutaten» können wir arbeiten?
Global einsetzbare Assets (sprachneutral)
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Productshots/Packshots/3D-Visualisierungen
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Corporate Design (Animationen)
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Ikonografie
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Visual Identity/Realbildwelten/Stock-Footage (eigene Library und eingekaufte Bilder)
Einfach übersetzbare Elemente
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Sprecher
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Texte/Headlines/Claims
Nicht oder nur schwer übersetzbare Elemente
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Testimonials (v. a. mit regionalem Kontext)
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Spielszenen mit kulturellen Codes, Humor, Charme
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Produkte mit regionalen Nuancen
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Porträts von echten Personen
Die Kunst besteht darin, möglichst viele Szenen mit sprachneutralen oder einfach übersetzbaren Elementen zu realisieren. Entweder man konzipiert so, dass die letzte, schwierigste Kategorie pro Film nur ganz kurz benötigt wird oder man trennt die Inhalte in verschiedene Filme auf.
Ein herkömmlicher Produktfilm, bei dem Features, Productshots und Werbebotschaften mit Anwendungsszenen und Kundentestimonials kombiniert werden, könnte dann in verschiedene Einzelfilme aufgeteilt werden:
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Feature-Clip mit Productshots, Corporate Icons und Corporate Design Animationen sowie Werbebotschaften (Texteinblender und/oder Sprechtexte) in einer einzigen oder mehreren (leicht sprachversionierbaren) Varianten.
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Testimonial-Clips: Pro Sprachversion separat gedrehte Anwendungsszenen und authentische Kundenaussagen (evtl. sogar von mehreren Kunden) in einer rudimentären (aber umso authentischeren) Produktionsqualität.
➜ Ergibt zwei oder mehr Video-Content-Assets, die gepostet werden können.
➜ Erzielt bessere Wirkung bei kaum aufwändigerer Vorgehensweise.
➜ Eröffnet die Möglichkeit, beide Bestandteile für den Einsatz auf der eigenen Website zu einem einzigen Film zusammenzuschneiden.
Eine weiterer Tipp: Inklusion der wichtigsten Sprachen in einem Film
Interviewfilme und/oder Filme mit mehreren Protagonisten lassen sich aufwerten, indem die Darsteller ihre eigene Sprache sprechen und die jeweils anderen Darsteller für deren Sprachversion synchronisiert werden – also, beispielsweise muttrersprachliche Statements von Deutschen, Englischen, Französischen und Italienischen Darstellern.
Das fördert Akzeptanz und Authentizität, auch wenn nur ein Darsteller die Sprache des jeweiligen Zuschauers spricht. Oft reagiert das Publikum besonders positiv auf diese Mehrsprachigkeit.
Die Sonderrolle von Englisch
Eine wichtige Ausnahme bleibt Englisch. Die Weltsprache wird international oft nicht wie Deutsch, Französisch oder Italienisch wahrgenommen, sondern als flexible Verkehrssprache. Viele Nicht-Muttersprachler konsumieren Englisch seit Jahren über Serien, Musik, Gaming, YouTube und Business-Kontexte.
Dadurch reagieren Zielgruppen toleranter auf Englisch.
Ein globales Video auf Englisch wird meist gut akzeptiert, obwohl es kulturell unscharf ist. Dasselbe, nicht optimal synchronisierte Video in übersetzter Landessprache kann dagegen künstlich wirken.
Englisch eignet sich oft besonders für:
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Innovation und Technik
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YouTube-Content
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internationale Markenkampagnen
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junge Zielgruppen
Lokale Sprachen bleiben überlegen bei:
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Vertrauen
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Arbeitgebernähe
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Humor
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kulturellen Anspielungen
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gesellschaftlicher Sensibilität
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regionaler Identität
Englisch funktioniert breiter. Lokalsprache erzeugt mehr Nähe.
Und nun seid Ihr dran.
Schreibt mir bitte in die Kommentare, wie Ihr mit Mehrsprachigkeit umgeht und welche Geheimtipps Ihr diesbezüglich habt.
