Warum Video heute nicht im Marketing skaliert, sondern im HR
 

Während Marketingabteilungen noch immer versuchen, Video in Kampagnenlogiken zu pressen, hat sich in vielen Unternehmen in den letzten Jahren ein ganz anderes Spielfeld etabliert: HR-Kommunikation.

Dort entwickelt sich Video gerade vom «Nice-to-have» zur zentralen Mediengattung.

HR

von Jürg Steudler

Das Wichtigste in Kürze
  • Video ist längst nicht mehr nur ein Werk­zeug für die exter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on. Mit­ar­bei­ter­kom­mu­ni­ka­ti­on und Employ­er Bran­ding über­ho­len die klas­si­schen, kun­den­zen­trier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dis­zi­pli­nen gera­de in der Ska­lie­rung, der Metho­dik und der Wir­kung von Video-Content.
  • Video ent­wi­ckelt sich zum ver­bin­den­den Medi­um inner­halb von Orga­ni­sa­tio­nen – und zum ent­schei­den­den Hebel im Wett­be­werb um Talente.
  • Die eigent­li­che Ska­lie­rung pas­siert dort, wo Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht punk­tu­ell oder in Kam­pa­gnen genutzt wird, son­dern per­ma­nent. Das HR kann dabei eine ganz wich­ti­ge Vor­rei­ter­rol­le spielen.

Warum ist das wichtig?
  1. Weil sich in der HR-Kom­mu­ni­ka­ti­on gelern­te Metho­den, Stra­te­gien und Sys­te­ma­ti­ken einer auf «Always-On» aus­ge­rich­te­ten Video-Kom­mu­ni­ka­ti­on spä­ter erfolg­reich auf Social Media, Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­ons und Mar­ke­ting Com­mu­ni­ca­ti­ons über­tra­gen lassen.
  2. Weil die Video Con­tent inne­woh­nen­de Con­ve­ni­ence, sei­ne Anschau­lich­keit und sei­ne Fähig­keit Emo­tio­nen zu wecken gera­de­zu prä­de­sti­niert ist für die inter­ne Kommunikation.

Und jetzt zum ganzen Artikel:

Wenn wir über Video-Kom­mu­ni­ka­ti­on spre­chen, den­ken die meis­ten immer noch zuerst an Wer­be­spots, Social Media Clips oder You­Tube Ads. Also an alles, was nach aus­sen wirkt – Reich­wei­te, Mar­ken­auf­bau, Performance.

Das ist sicher nicht falsch. Aber es ist unvollständig.

Denn wäh­rend Mar­ke­ting­ab­tei­lun­gen noch immer ver­su­chen, Video in Kam­pa­gnen­lo­gi­ken zu pres­sen, hat sich in vie­len Unter­neh­men in den letz­ten Jah­ren ein ganz ande­res Spiel­feld eta­bliert: HR-Kom­mu­ni­ka­ti­on. Und dort ent­wi­ckelt sich Video gera­de vom «Nice-to-have» zur zen­tra­len Mediengattung.


Eine andere Perspektive

Mar­ke­ting denkt oft noch in Kam­pa­gnen. HR denkt in Kon­ti­nui­tät. Das ist ein fun­da­men­ta­ler Unter­schied. Ein Wer­be­spot hat immer ein kla­res Ziel, ein defi­nier­tes Zeit­fens­ter und danach ist er – über­spitzt gesagt – erle­digt. Inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on und Employ­er Bran­ding haben hier bereits viel fun­da­men­ta­ler das neue media­le Man­tra «Always-On» ver­in­ner­licht. Sie hören nie auf zu kom­mu­ni­zie­ren und «sen­den» permanent.

Und genau in die­ser Pro­gramm-Hal­tung ent­fal­tet Video sei­ne eigent­li­che Stärke.


Vom Mitarbeitermagazin zur internen Plattform

Frü­her gab es Mit­ar­bei­ter­ma­ga­zi­ne, Rund­mails oder viel­leicht ein Intra­net mit Tex­ten und Bil­dern. Heu­te sehen wir in vie­len Unter­neh­men eine kla­re Verschiebung:

  • Intra­nets wer­den zu Con­tent-Platt­for­men
  • Inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on eta­bliert sich in fes­ten, regel­mäs­sig statt­fin­den­den For­ma­ten
  • Video wird zum Stan­dard­me­di­um

Was dabei ent­steht, ist im Kern nichts ande­res als ein inter­ner TV-Sen­der oder eine inter­ne Video­platt­form. Mit wie­der­keh­ren­den Formaten:

  • CEO-Updates
  • Team- und Standortportraits
  • Pro­jekt-Insights
  • «Best Practice»-Stories aus der Organisation
  • und vie­len wei­te­ren inter­es­san­ten Spiel­ar­ten und Genres

Dazu gehört zuneh­mend auch User Gene­ra­ted Con­tent – also Bei­trä­ge direkt aus den Teams, Filia­len oder Märkten.

Das ver­än­dert die Logik kom­plett: Nicht mehr ein­zel­ne Inhal­te ste­hen im Fokus, son­dern ein lau­fen­des Pro­gramm. Die Unter­neh­mens­kul­tur mani­fes­tiert sich in media­ler Form.


Warum Video Content Kultur sichtbar macht

Video ist das idea­le Medi­um um Unter­neh­mens­kul­tur ent­ste­hen zu las­sen und zu trans­por­tie­ren. Tex­te allein waren dazu nie beson­ders gut geeignet.

Wer­te, Hal­tung, Zusam­men­ar­beit – all das zeigt sich in Ver­hal­ten, Tona­li­tät, Mimik, Dyna­mik. Video zeigt dies anschau­lich und lässt Emo­tio­nen ent­ste­hen. Ein CEO-State­ment als E‑Mail ist rei­ne Infor­ma­ti­on. Ein CEO-State­ment als Video erzeugt Nähe und per­sön­li­ches Invol­vement. Man sieht, wie etwas gemeint ist – nicht nur, was gesagt wird.

Gera­de in frag­men­tier­ten Orga­ni­sa­tio­nen mit vie­len Stand­or­ten wird das ent­schei­dend. Video schafft Nähe über Distanz hin­weg und macht aus abs­trak­ten Begrif­fen wie «Kul­tur» oder «Zusam­men­ge­hö­rig­keit» etwas Greifbares.


Employer Branding: Vertrauen entsteht im Bild

Auch im Employ­er Bran­ding ver­schiebt sich gera­de vie­les. Hoch­glanz-Image­fil­me ver­lie­ren an Bedeu­tung. Statt­des­sen domi­nie­ren For­ma­te wie:

  • «Ein Tag im Leben von…»
  • Behind-the-sce­nes Einblicke
  • Kurz­por­traits von Mitarbeitenden
  • Ein­fa­che, oft selbst pro­du­zier­te Clips

War­um? Weil Glaub­wür­dig­keit wich­ti­ger gewor­den ist als Perfektion.

Poten­zi­el­le Mit­ar­bei­ten­de wol­len nicht sehen, wie ein Unter­neh­men sich insze­niert – son­dern wie es sich anfühlt. Und genau hier wird Video zum ent­schei­den­den Medi­um: Es macht Rea­li­tät sicht­bar. Unge­fil­tert genug, um glaub­wür­dig zu sein. Struk­tu­riert genug, um Ori­en­tie­rung zu geben.


Vom Absender zum Netzwerk: Die Rolle von User Generated Content

Eine der span­nends­ten Ent­wick­lun­gen ist die Ver­schie­bung von zen­tral pro­du­zier­ten Inhal­ten hin zu dezen­tra­lem Content.

Mit­ar­bei­ten­de wer­den selbst zu Absendern:

  • aus der Filiale
  • von der Baustelle
  • aus dem Labor
  • aus dem Büroalltag

Das hat zwei Effekte:

  1. Ska­lie­rung: Con­tent ent­steht nicht mehr nur im Stu­dio oder durch exter­ne Part­ner, son­dern direkt in der Organisation.
  2. Authen­ti­zi­tät: Inhal­te wir­ken unmit­tel­ba­rer, weni­ger insze­niert, näher an der Realität.

Die Her­aus­for­de­rung ver­schiebt sich damit: Weg von Video­tech­nik und Dreh­ar­bei­ten hin zu Gui­de­lines, Befä­hi­gung und Sys­te­ma­tik.


Video als Führungsinstrument

Ein oft unter­schätz­ter Aspekt: Video ver­än­dert auch Führung.

Füh­rungs­kräf­te, ins­be­son­de­re auf obers­ter Ebe­ne, wer­den sicht­ba­rer. Regel­mäs­si­ge Video-Updates aus der Unternehmens‑, Abtei­lungs- oder sogar Team­lei­tung erset­zen oder ergän­zen heu­te die klas­si­sche Top-down-Kommunikation.

Das hat Auswirkungen:

  • Ent­schei­dun­gen kön­nen schnel­ler und detail­lier­ter kom­mu­ni­ziert werden
  • Ent­schei­dun­gen wer­den verständlicher
  • Stra­te­gien greifbarer
  • Füh­rung per­sön­li­cher und greifbarer

Oder anders gesagt: Wer durch Video sicht­bar ist, wirkt in der Wahr­neh­mung oft viel präsenter.


Der eigentliche ROI von HR-Video

Wäh­rend Mar­ke­ting (trotz ver­schie­dens­ter Metri­ken) oft Mühe hat, den direk­ten ROI von Video zu bezif­fern, ist der Nut­zen in der inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on erstaun­lich konkret:

  • Infor­ma­tio­nen wer­den schnel­ler verstanden
  • Miss­ver­ständ­nis­se wer­den reduziert
  • Mit­ar­bei­ten­de füh­len sich stär­ker eingebunden
  • Bin­dung und Iden­ti­fi­ka­ti­on steigen

Das sind kei­ne «wei­chen Fak­to­ren», son­dern zen­tra­le Trei­ber für Pro­duk­ti­vi­tät und Sta­bi­li­tät in Organisationen.


Warum HR näher am Programm-Modell elektronischer Medien ist als Marketing

Wenn man genau hin­schaut, arbei­tet HR in vie­len Unter­neh­men heu­te bereits näher an einem Pro­gramm-Modell von klas­si­schen Medi­en als Marketing:

  • kon­ti­nu­ier­li­che Pro­duk­ti­on statt Kampagnen
  • For­ma­te statt Einzelinhalte
  • Pro­gramm­pla­nung statt Einzelmassnahmen
  • Audi­ence-Bin­dung statt rei­ner Reichweite

Mit ande­ren Wor­ten: HR denkt – oft unbe­wusst – bereits wie ein Sen­der und «always-on».

Mar­ke­ting hin­ge­gen steckt vie­ler­orts noch in der gelern­ten Logik ein­zel­ner Aktio­nen oder Kam­pa­gnen fest.


Was Unternehmen davon lernen können

Wer Video in sei­nem Unter­neh­men wirk­lich ska­lie­ren will, braucht heu­te eine Programm-Logik:

  • eine kla­re Systematik
  • wie­der­keh­ren­de Formate
  • defi­nier­te Prozesse
  • und vor allem: eine orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­an­ke­rung, die über Mar­ke­ting hinausgeht

Die HR-Kom­mu­ni­ka­ti­on bie­tet eine Spiel­wie­se um die­sen Mind­set ohne den täg­li­chen Per­for­mance-Druck im Mar­ke­ting zu ler­nen, zu tes­ten und zu verinnerlichen.

Um die glei­chen Metho­den spä­ter in Social Media, Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­ons und Mar­ke­ting Com­mu­ni­ca­ti­ons anwen­den zu können.

So kann mit­tel­fris­tig ein schlag­kräf­ti­ges, dis­zi­pli­nen­über­grei­fen­des «Video first», «always on» Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem eta­bliert werden.

 

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