Vor rund zehn Jahren hatte ich einen Insight, der meine Sicht auf die audiovisuelle Kommunikation komplett verändert hat: Unternehmen sollten aufhören, wie Werbeagenturen zu agieren – und anfangen, wie TV-Sender zu handeln.
von Jürg Steudler
Unternehmen sollten aufhören, wie Werbeagenturen zu agieren – und anfangen, wie TV-Sender zu handeln.
Programmlogik statt Kampagnenlogik
Plötzlich hatte ich bewusst verstanden, was ich instinktiv schon lange wusste: Die meisten Unternehmen produzieren Videos – Medienhäuser bauen Kommunikationssysteme.
Und genau darin liegt der Unterschied zwischen «Out-Of-Sight» und «Top-Of-Mind».
Das eigentliche Problem
Viele Unternehmen investieren viel Geld in einzelne Videos, Kampagnen oder Imagefilme. Was dabei meist fehlt, ist Wirkung auf Dauer:
- wenig Wiedererkennbarkeit
- keine klare Formatlogik
- keine redaktionelle Führung
- keine skalierbare Struktur
- kein messbarer Audience-Aufbau
Das Resultat: Jedes Video beginnt wieder bei null.
In einer fragmentierten Medienwelt funktioniert das immer schlechter. Studien zeigen seit Jahren, dass kontinuierliche Kommunikation mittelfristig deutlich wirksamer ist als punktuelle Kampagnen.
Vom Kampagnen- zum Programmdenken
Medienhäuser arbeiten anders. Seit Jahrzehnten. Sie denken nicht in Einzelinhalten, sondern in Programmen:
- klare Formate statt Einzelvideos
- Programm- und Slot-Denken statt Zufallspublishing
- redaktionelle Verantwortung statt Ad-hoc-Kommunikation
- konsistentes Design statt beliebiger Optik
- Promotion und Audience-Flow statt «wir posten mal»
Als ich realisiert habe, dass sich diese Prinzipien als Organisationsmodelle auf Unternehmen übertragen lassen, hat sich mein Ansatz verändert.
Was ich meinen Kunden heute empfehle
Unternehmen können die TV-Logik heute besser denn je übernehmen:
- Newsroom-Ansatz: Themen statt Kanäle
- Formatfamilien mit klarer Rolle im Kommunikationsmix
- Motion-Branding-Frameworks und Video-Design Packages als System
- Teaser- und Cross-Promotion-Mechaniken
- klare Rollen (Producer, Redaktion, Distribution, Analytics)
Kurz gesagt: Nicht mehr jedes Video neu erfinden, sondern Kommunikation programmieren.
Spannend: Einige Industrie- und Tech-Unternehmen machen das bereits
Sie holen ehemalige TV-Profis in ihre Kommunikations- und Content-Organisation. Diese bringen automatisch ihre Erfahrung mit:
- Sendelogik
- redaktionelle Disziplin
- Dramaturgie und Timing
- Verständnis für visuelle Konsistenz
- einen Sinn für Geschichten, erzählt mit Bildern
- Audience-Flow und Wiedererkennung
Auf den Punkt gebracht: Die Denkweise eines TV-Senders.
Warum das jetzt noch wichtiger wird
KI wird Content massiv skalieren. Aber ohne System skaliert nur das Chaos. Unternehmen mit klaren Formaten, Design-Systemen und redaktionellen Strukturen können dagegen:
- schneller produzieren
- Kosten pro Inhalt senken
- konsistenter auftreten
- ihr Publikum systematisch aufbauen
- Video als echtes Business-Asset nutzen
Langfristig gewinnen nicht Unternehmen mit den lautesten Einzelvideos. Sondern Organisationen, die kontinuierlich und konsistent kommunizieren.
Oder anders gesagt: Unternehmen, die beginnen, wie ein Sender zu denken.
Und genau dabei unterstütze ich Unternehmen: Auf dem Weg vom Einzelvideo zur skalierbaren Video-Kommunikation. Wenn ihr mehr wissen wollt, lest mein aktuelles Buch, «Das Video-Content-Playbook», erhältlich als E‑Book und als Druckausgabe.
